Guten,
wie im letzten Eintrag versprochen schreibe ich euch heute etwas über meine Fahrt nach Chile.
Mein letztes Visum lief am 7. November ab, deshalb habe ich einen Kurzurlaub in Iquique (Nordchile) gemacht und mir auf dem Rückweg Arequipa, die „weiße Stadt“, (Südperu) angeschaut. Am 6. November startete ich von Huacho aus. Mit „Cruz del Sur“, dem größten Busreiseunternehmen Perus, fuhr ich von Lima bis an die Grenze zu Chile. Die Fahrt dauerte 20 Stunden und es wurden 7-8 harte Actionfilme gezeigt. Die Grenze überquerte ich anschließend in einem alten Collectivo-Bus, der voll besetzt war. Collectivo heißt, dass die Busse bzw. Taxis an der Bushaltestelle warten und losfahren, wenn sie voll sind (=Sammeltaxi). Ein wenig mulmig wurde mir, als der Busbesitzer während der Fahrt rumging und sämtliche Ausweise und Reisepässe der Passagiere einsammelte. Ohne Filme, dafür aber glücklicherweise wieder mit Reisepass, kamen wir nach 40 Minuten an. Ich hatte vorher im Internet richtige Horrorgeschichten über diese Grenze gelesen. Aber wie sich herausstellte, war alles halb so schlimm. Mein Rucksack wurde nur kurz gescannt und ich wurde nicht einmal abgetastet.
In Chile angekommen tauschte ich lange Hose und feste Schuhe gegen Shorts und Flip-Flops, es wurde wärmer. Ich buchte ein Ticket nach Iquique und kam so in den Genuss weiterer 3 Filme, die während der 5-stündigen Fahrt gezeigt wurden.
Iquique gefiel mir von Anfang an. Wir fuhren mit dem Bus die riesigen Sanddünen herunter, während wir einen tollen Ausblick auf die Stadt und den Pazifik hatten. Von der Haltestelle aus fuhr ich mit einem Taxi zum „Backpackers“, einem Jugendhostel. Am Abend machte ich nicht mehr viel. Ich kaufte ein paar Sachen im Supermarkt, ging an der Promenade spazieren und unterhielt mich ein wenig mit den Leuten von meinem Zimmer. Mit mir auf meinem Zimmer wohnten eine Schweizerin und 3 Israelis, alles total interessante und nette Menschen. Die Schweizerin war 33 und hatte ihr ganzes Leben lang Geld beiseitegelegt, um irgendwann einmal nach Südamerika zu kommen. Sie wohnte seit eineinhalb Jahren bei Verwandten in Santiago und machte gerade Urlaub in Iquique. Die Israelis, 2 Männer und eine Frau, kamen alle frisch aus ihrer zwei- bzw. dreijährigen Armeezeit (was nicht wie bei uns Grundausbildung heißt, sondern Krieg). Jetzt machten sie einen „After-Army-Trip“, wie sie selbst sagten, und reisten für ein halbes Jahr mit dem Rucksack durch Südamerika (=Backpacker). Außer mir war noch eine andere Deutsche im Hostel, die als Freiwillige in Chile arbeite. Außerdem vertreten waren (alles Backpacker, falls nicht anders erwähnt): Eine Nordamerikanerin und ein Australier, die vor ein paar Monaten in Mexiko gestartet waren und uns insgesamt ein halbes Jahr in Südamerika reisten, ein Ehepaar aus der Schweiz, zwei junge Frauen aus der Schweiz, die ihr Studium gerade abgeschlossen hatten (eine von ihnen hatte ein Bewerbungsgespräch über Skype), zwei Franzosen, die in Südchile als Köche arbeiten und gerade Urlaub machten, eine Französin, die auch gerade mit dem Studium fertig war und ein paar Argentinier. Also eine große Mischung an Leuten, die viel fragten und viel von sich erzählten.
An meinem ersten Morgen in Iquique ging ich Gleitschirm fliegen. Wie ich später erfuhr, gehört Iquique zu den 10 besten Gleitschirmfluggebieten der Welt, da es hier immer gutes Wetter und fast keine Vorschriften gibt. Im Gegensatz zu Deutschland kann man über die ganze Stadt fliegen und landen, wo man will (auch auf der Hauptstraße). Nach einer kurzen Einweisung von meinem Guide Raul koppelten wir uns an den Tandemgleitschirm, liefen auf eine Klippe zu und wurden vom Wind in die Luft gehoben. Nach einer halben Stunde landeten wir am Strand direkt vor meinem Hostel. Nachmittags ging ich in der Stadt rum, später ging ich in ein riesiges steuerfreies Einkaufszentrum. Abends kochte ich mit den Israelis Shakshukka, sehr lecker. Am nächsten Tag waren wir viel am Strand und abends gab es ein Barbecue im Hostel. Nachts um drei nahm ich wieder einen Bus zur peruanischen Grenze, überquerte diese ohne große Schwierigkeiten, und fuhr weiter nach Arequipa.
Arequipa wird, wie gesagt, auch die „weiße Stadt“ genannt. Hier übernachtete ich in einem Hostel, das mir die Israelis empfohlen hatten. Dort traf ich zufällig auch einen Freund von ihnen. Am nächsten Tag schaute ich mir die Stadt an. Es gab eine Unmenge an Kirchen und Klöstern. Mein Highlight war „Santa Catalina“. Das ist ein Kloster, das aus Vulkangestein gebaut worden ist. Es ist zwar nur einstöckig, aber trotzdem sehr groß. Es sieht fast wie ein kleines Dorf aus (es gibt sogar Straßen mit Namen). Abends fuhr ich mit einem Bus los nach Lima.
Mein erster Urlaub hat mir richtig gut gefallen. Viel gesehen (unter anderem insgesamt etwa 20 Filme), viele Leute kennen gelernt. Ich hab auch mehr Lust auf Rucksackreisen bekommen und mehr darüber gelernt (Preise von Hostels, wie man gute von schlechten unterscheidet und sich im Internet informieren kann, Reisebusse, usw.). Mein jetziges Visum ist wieder nur für 3 Monate. Wahrscheinlich fahre ich dann nach Ecuador. Ausserdem möchte ich noch die typische Perutour machen, inklusive Machu Pichu und dem Titicacasee.
Jan-Lütje oder Lüddi
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen