Montag, 22. November 2010

Neues von der Arbeit

Hey!

Zuerst: Entschuldigung, dass ich so lange nichts geschrieben habe. Das lag nicht daran, dass ich zu viel zu tu hatte, sondern daran, dass ich mich nicht dazu aufraffen konnte. Aber ich verspreche, dass ihr in Zukunft häufiger von mir hören werdet. Wenn es euch mit einem neuen Eintrag zu lange dauert, schickt mir einfach eine kurze, zornige E-Mail oder Facebooknachricht.

Was gibt’s neues?
Wir sind zweimal die Woche, dienstags und donnerstags, morgens im Kindergarten und unterrichten Englisch. In meiner Gruppe sind etwa 20 5-jährige Kinder. Wenn wir ankommen, werden wir meistens von lauten Rufen der ganzen Kinder begrüßt. Danach wollen die Kinder meistens, dass ich sie hochhebe. Der Unterricht dauert etwa eine Stunde. Mithilfe von Plakaten oder Bildern bringe ich den Kindern Grundbegriffe bei, zum Beispiel Zahlen, Berufe oder Mitglieder einer Familie. Obwohl die Kinder erst 5 Jahre alt sind, können sie schon alle Buchstaben schreiben. Oft wissen sie nicht, welcher Buchstabe zu welchem Laut gehört, aber trotzdem hat mich das überrascht. Ich konnte in dem Alter nur meinen Namen schreiben. Die Arbeit im Kindergarten macht mir insgesamt viel Spaß, ist aber auch anstrengender, als ich gedacht hätte.
Von Dienstags bis Freitags ist nachmittags in unserer Wohnung Englisch- und Deutschunterricht. Am Anfang kamen immer etwa 10 Leute. Jetzt kommen leider nur noch 2-3. Ich glaube, dass liegt zum einen daran, dass alle am Anfang Semesterferien hatten, außerdem waren wir Deutschen noch interessanter. Daher heißt es jetzt, dass wir mit wenigen Leuten arbeiten und neue Leute einladen müssen. Im Englischunterricht machen wir zuerst ein wenig Grammatik, danach hören wir englische Lieder, übersetzen diese und üben die Aussprache des Textes. Außerdem unterhalten wir uns auf Englisch. Manche der Jugendlichen können zwar die Grammatik sehr gut, haben aber Schwierigkeiten mit Aussprache und dem freien Reden. Im Deutschunterricht machen wir eher Sachen wie Wochentage oder einfache Gespräche („Ich heiße…, komme aus…“).
Donnerstagabends ist Hausgottesdienst. Wir treffen uns dafür im Haus einen Gemeindemitgliedes (auch in unserem), singen Lieder und hören eine Andacht. Danach wird noch bei einem Snack oder Brötchen geplauscht. Die Predigten sind aber meiner Meinung nach zu lang. 45 bis 60 Minuten sind keine Seltenheit, auch im Hauptgottesdienst. Meistens hören die Leute schon nach fünf Minuten nicht mehr zu. Vor allem der Hausgottesdienst ist eine gute Gelegenheit, um sich über einen Bibeltext auszutauschen und zu unterhalten. Ich weiß aber nicht , inwiefern ich in der Rolle bin, so etwas vorzuschlagen. Zum einen nicht, weil der Pastor oder Präsident eine höhere Stellung haben als ich, zum anderen, weil die Leute kein Problem mit der aktuellen Durchführung zu haben scheinen. Vielleicht sind sie aber auch einfach zu sehr daran gewöhnt, wie es ist.
Das Programm am Samstagnachmittag läuft auch nicht mehr so gut. In den letzten drei bis vier Wochen sind nicht mehr so viele Kinder gekommen. Ich kann nicht sagen, woran das liegt. Das Programm existiert in dieser Art und Weise schon zwei oder drei Jahre, deshalb hat mich der plötzliche Rückgang überrascht. Wir haben angefangen ein Krippenspiel für Weihnachten zu üben. Das fanden die meistens Jungs zwar nicht sooo gut, aber ich glaube nicht, dass sie deshalb nicht kommen. Vorher sind sie nämlich auch eher wegen des Fußballspielens im Anschluss an das inhaltliche Programm gekommen. Ein weiteres Problem ist, dass die Jungs sehr unpünktlich sind und meistens 30 bis 45 Minuten zu spät kommen. Die Leiterin des Programms sagt den Jungs immer wieder, dass wir pünktlich anfangen, kommt aber leider meistens selbst zu spät. Mein Vorschlag, dass wir nicht nur einen festen Anfang, sondern auch ein festes Ende haben und weniger Fußball spielen, wenn die Jungs zu spät kommen, wurde abgelehnt. Stattdessen wollen wir jetzt gleich zum Fußballplatz gehen und dort den inhaltlichen Teil machen. Das Problem ist, dass alle dann genauso gut zu spät kommen können und draußen in der Nähe des Fußballplatzes abgelenkt sind. Ich habe auch schon daran gedacht, dass es besser wäre, das Fußballspielen und den inhaltlichen Teil separat zu machen. Dann würden wahrscheinlich mehr Jungs zum Spielen und weniger zum inhaltlichen Teil kommen, aber dafür könnte man den inhaltlichen Teil ausweiten und auch größere Spiele machen. Außerdem würden die Jungs die kämen, auch wirklich da sein wollen und nicht nur bis zum Fußballspielen kommen.
Im Kindergottesdienst am Sonntagmorgen und in Humaya am Sonntagnachmittag haben wir auch mit Krippenspielen angefangen. Auch hier hatten die Kinder am Anfang eher weniger Lust, mittlerweile sind sie aber gut dabei. Die Kinder haben Texte zum Lernen mit nach Hause genommen. Aber ich bezweifle, dass sie den Text Weihnachten immer noch haben, geschweige denn ihn auswendig können.
Insgesamt haben wir hier eher wenig zu tun, pro Woche kommen wir auf 20-25 Stunden. Eigentlich sollten wir auch an der Uni unterrichten. Aber mittlerweile halte ich das für unrealistisch. Das Anfangsdatum wurde immer weiter nach hinten verschoben. Mittlerweile ist seit eineinhalb Monaten normaler Unterricht und ich bezweifle, dass jemals etwas Richtiges mit der Universität abgesprochen wurde.
Ich würde gerne mehr arbeiten, denn dafür bin ich hier. Ich habe zum Beispiel daran gedacht, öfter in den Kindergarten zu gehen. Außerdem könnte man eine Hausaufgabenhilfe für Kinder anbieten oder mehr Angebote für Jugendliche machen. Wenn ihr Ideen habt, her damit!

Für viele Sachen fehlt aber scheinbar das Geld. Sogar die 5 Soles (1,50 €) zur Nutzung des Fußballplatzes werden von den Jungs eingesammelt. Gleichzeitig will die Gemeinde jetzt nicht nur den Platz der Kirche verlegen, sondern auch eine ganz neues Kirchengebäude bauen. Dabei ist die alte Kirche noch lange nicht ausgelastet und 3 Gruppenräume, die für die neue Kirche angedacht sind, werden auch nicht gebraucht. Es finden nämlich nie Veranstaltungen gleichzeitig statt.
Ich glaube, dass die Gemeinde zurzeit generell feststeckt. Zum Gottesdienst kommen immer dieselben Leute. Ich glaube, es wäre wichtiger, neue Leute einzuladen und die bestehenden Veranstaltungen zu überdenken, anstatt eine neue Kirche zu bauen. Mit dem Geld könnte man auch einen Koch- und Spieleabend für Jugendliche anbieten oder den Fußballplatz bezahlen.

Danke für’s Lesen, nächstes Mal erzähle ich euch vom Essen und meinem Urlaub in Chile und Arequipa - Jan-Lütje

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