Die Vorweihnachtszeit in Peru war für mich ganz anders als ich es aus Deutschland gewöhnt war. Keine Weihnachtsmärkte, kein Punsch oder Glühwein, kein Schnee, keine Winterkleidung. Stattdessen 25 Grad, Strand, Flip-Flops, gekühlte Getränke und Sonnenbrand.
In unseren drei Kindergruppen in Amay, San Bartolomé und Humaya übten wir verschiedene Krippenspiele ein.
In Amay, wo wir sonst mit einigen Jungs Fußball spielen und Bibelarbeit machen, hatte niemand Lust auf ein Krippenspiel. Wir änderten deshalb aber nicht unser Programm, was ich sehr schade fand, sondern suchten uns einfach andere Kinder aus der Umgebung. Von den 10-15 Jungs, die vorher kamen, kommen jetzt nur noch 2-3. Stattdessen gibt es jetzt 5-6 neue Mädchen und 5-10 neue Jungs. Die Jungs haben aber nicht beim Krippenspiel mitgemacht, sondern kommen erst seit Kurzem, hauptsächlich wegen des Fußballspielens.
In San Bartolomé, wo unsere Kirche ist, machten wir mit den normalen Kindern ein recht kurzes Krippenspiel. Das klappte auch gut. In Humaya, dem 30-minütig entfernten Dorf auf dem Land, lief auch alles gut. Insgesamt waren die Proben manchmal etwas durcheinander und kein Kind konnte seinen Text auswendig, aber das machte nichts. Aus Deutschland ist man es gewohnt, dass alle Eltern ihre Kinder pünktlich zur Probe abliefern und zuhause mit ihnen den Text üben. Die letzten Proben macht man dann mit Verkleidung. Hier wäre sowas fast unmöglich. Die Eltern der Kinder wissen oft gar nicht, dass ihre Kinder bei einem Krippenspiel mitgemacht haben. Daher haben sie niemanden, der den Text mit ihnen üben könnte. Die Kinder kommen auch nicht pünktlich. Wenn wir gegen 15 Uhr nach Humaya kommen, sagen wir einigen Kindern auf der Straße, dass sie ihren Freunden Bescheid sagen sollen, oder wir gehen selber rum und trommeln die Kinder zusammen.
Einige Tage vor Heiligabend machten wir Weihnachtsfeiern mit den Kindern. Eine in Humaya und eine in San Bartolomé, wohin die Kinder aus Amay in einem Bus gebracht wurden. Beide Feiern fingen, typisch peruanisch, zu spät an. Neben den erwähnten Krippenspielen standen viele Tanzspiele für die Kinder auf dem Programm. Außerdem bekam jedes Kind eine Tüte mit Süßigkeiten, Panetón, und Kakao. Panetón ist eine Art Brotkuchen, den man hier traditionell zu Weihnachten isst (lecker!).
Ich hatte vorher erwartet, dass die Kinder sich sehr freuen und dankbar sind, vor allem, weil sie sonst nur sehr wenig haben. Gefreut haben sie eigentlich auch alle Kinder. Man merkte aber, dass die Kinder viel auf sich allein gestellt sind im Alltag daran gewöhnt sind, in erster Stelle an sich selbst und ihren Vorteil zu suchen. Das kann man ihnen aber nicht zum Vorwurf machen. Von ihren Eltern wenig beachtet, müssen sie sehen, wo sie bleiben und wie sie über die Runden kommen. Bei der Weihnachtsfeier meinten manche Kinder, sie hätten weniger als andere uns beschwerten sich. Ein Mädchen bekam durch einen Irrtum eine Tüte Popcorn mehr als die anderen. Als die anderen Kinder das merkten uns dich beschwerten, lief das Mädchen mit ihren Süßigkeiten nach draußen auf die Straße, weil sie Angst hatte, dass wir ihr wieder etwas wegnehmen könnten. Später trug sie noch ihre Schwester her (etwa ein Jahr alt), um so noch mehr zu bekommen. Bei deutschen Kindern gibt es dieses Verhalten zwar auch, aber nicht in dem Maße.
Heiligabend gab es um 18 Uhr einen Gottesdienst in der Kirche. Während des ersten Liedes machte jemand eine Lichterkette an. Die Lichterkette war bunt, blinkte und spielte laut die Melodien einiger Weihnachtsklassiker ab (polyphon). Anschließend gingen wir zu uns nach Hause und aßen mit einigen Freunden Panetón. Um 23 Uhr gingen wir zu der großen Familie aus unserer Gemeinde, die uns zur Weihnachtsfeier eingeladen hatten. Es ist hier ein Brauch, bei Festen um Mitternacht zu essen. Alle hatten verschiedene Gerichte mitgebracht, wir einen Panetón. Jeder konnte sich nehmen, was er wollte. Das ist hier etwas Besonderes, normalerweise bekommt man einen Teller mit angerichtetem Essen. Nach dem Essen bekamen die kleineren Kinder Geschenke. Die größeren Kinder, Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren bekamen keine Geschenke. Das ist hier einfach kein Brauch, außerdem fehlt oft das Geld dafür. Gegen 1 Uhr schoben wir die Tische beiseite und fingen an zu tanzen, hauptsächlich Cumbia. Während in der Mitte des Raumes getanzt wurde, standen an den Wänden Stühle. Die Leute, die nicht tanzten, gaben eine Bierflasche und ein Glas rum. Das macht man hier generell auf Feiern so. Nicht jeder hat seine eigene Flasche, sondern man teilt Flasche und Glas und gibt beides herum (was aber nicht heißt, dass wenig getrunken wird). Die Feier dauerte bis morgens um 7 Uhr.
Mittlerweile ist dieses (gar nicht mehr so) ungewohnte und schöne Weihnachten fast 4 Wochen her. Letzte Woche war ich auf einem Zwischenseminar, das etwa die Hälfte meiner Zeit in Peru markiert. Mit 8 anderen Freiwilligen waren wir in einem Hotel und haben über unsere Projekte gesprochen haben.
Liebe Grüsse, euer jan-Lütje
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