Hallo,
um euch nicht nur meine Arbeit und Reisen, sondern auch mein Alltagsleben näher zu bringen, schreibe ich euch etwas über meine Ernährung. Um das Verständnis zu erleichtern, sind alle Angaben in Euro.
Zum Frühstück esse ich meistens Cornflakes. Milch kostet pro Liter 80 Cent, 500 Gramm Cornflakes kosten 1,70.
Zweimal die Woche, manchmal auch öfter, esse ich bei einer Frau aus der Gemeinde. Sie kocht jeden Tag für sich und ihre Familie. Außerdem verkauft sie das Essen für 70 Cent an andere Leute, zum Beispiel an Janina und mich, aber auch an Motortaxifahrer. Hier gibt es typisch peruanisches Essen. Das sind fast immer Reis und Kartoffeln (beides zusammen), manchmal auch Nudeln, mit ein wenig Fleisch (meistens Hähnchen) und einer Soße. Die Portionen sind immer ordentlich, wie auch in allen anderen Restaurants.
In Mittags-Restaurants zahlt man 1,10 bis 1,25 Euro für ein Mittagessen. Man sucht sich eine Vorspeise (Suppe, Ofenkartoffeln, etc.) und ein Hauptgericht aus. Die Angebote wechseln jeden Tag. Das Essen ist immer lecker und mit viel Öl zubereitet. Die Bedienung ist nicht wie in Deutschland. Es kommt vor, dass sich Kellnerinnen, während das Restaurant rappelvoll ist, an einen der wenigen leeren Tische setzen und mit ihrer Elekromusik aus dem Handy die Salsamusik aus den Boxen übertönen. Das stört aber niemanden. Während ich das am Anfang noch mit deutschen Augen sah („Das kann man doch nicht machen! Die sollten uns lieber mal bedienen.“), gewinne ich dem Ganzen mittlerweile einen gewissen Charme ab. Die Atmosphäre ist viel familiärer und die Leute entspannter.
Wenn ich selber koche, gibt es Reis, Kartoffeln oder Nudeln mit Tomatensoße. Dazu kommen, je nach Tagesstimmung, Fleisch, Zwiebeln, Tomaten, usw.
Abends esse ich ein paar Brötchen. Für 25 Cent bekommt man in einer Bäckerei acht Stueck. Auch der Einkauf in einer Bäckerei läuft anders ab. Die Leute kommen in die Bäckerei, drängeln sich so weit nach vorne vor wie möglich, klopfen mit einer Münze wild auf den Tresen und rufen laut: „Brötchen für einen Sol! Brötchen für einen Sol!“ Mich sieht man zum Glück auch so, deshalb muss ich das nicht machen.
Das waren die Hauptmahlzeiten. Wenn man zwischendurch mal Hunger und nichts im Kühlschrank hat, ist das aber auch gar kein Problem. Jedes fünfte Haus ist ein kleines Geschäft, in dem man sich Snacks kaufen kann. Diese kleinen Geschäfte würden in Deutschland alle nicht überleben, da die Leute billiger im Supermarkt einkaufen würden. Die Peruaner kaufen aber nicht auf Vorrat, meistens nur Zutaten für eine Mahlzeit. Und da bietet es sich an, kurz zum Nachbarn zu gehen.
Unser Nachbar hat ein einen Imbiss für Saft, Kuchen und belegte Brötchen (wir nennen ihn liebevoll den „Saftladen“). Der billigste Saft kostet 25 Cent, für eine Erdbeermilch (wirklich lecker!) bezahlt man 90 Cent. Der Saft kommt nicht aus der Flasche, sondern wird hier direkt zubereitet und besteht nur aus Früchten und ein wenig Wasser. Kleine Kuchenstücke kosten 15 Cent, große Stücke und belegte Brötchen 30 Cent.
Abends steht vor der Bäckerei ein kleiner Stand, an dem Hamburger (40 Cent) und Pommes mit Hähnchen (55 Cent) verkauft werden.
Eine andere Nachbarin verkauft „Papa Rellena“ für 15 Cent. Das sind so etwas wie große Kroketten, gefüllt mit Fleisch, Zwiebeln oder anderem. Dazu isst man etwas Mayonnaise und Ají (sehr scharfe Soße).
Das wars vom Essen. Naechste Woche mele ich mich wieder und berichte von der Vorweihnachtszeit.
Donnerstag, 16. Dezember 2010
Dienstag, 7. Dezember 2010
Iquique und Arequipa
Guten,
wie im letzten Eintrag versprochen schreibe ich euch heute etwas über meine Fahrt nach Chile.
Mein letztes Visum lief am 7. November ab, deshalb habe ich einen Kurzurlaub in Iquique (Nordchile) gemacht und mir auf dem Rückweg Arequipa, die „weiße Stadt“, (Südperu) angeschaut. Am 6. November startete ich von Huacho aus. Mit „Cruz del Sur“, dem größten Busreiseunternehmen Perus, fuhr ich von Lima bis an die Grenze zu Chile. Die Fahrt dauerte 20 Stunden und es wurden 7-8 harte Actionfilme gezeigt. Die Grenze überquerte ich anschließend in einem alten Collectivo-Bus, der voll besetzt war. Collectivo heißt, dass die Busse bzw. Taxis an der Bushaltestelle warten und losfahren, wenn sie voll sind (=Sammeltaxi). Ein wenig mulmig wurde mir, als der Busbesitzer während der Fahrt rumging und sämtliche Ausweise und Reisepässe der Passagiere einsammelte. Ohne Filme, dafür aber glücklicherweise wieder mit Reisepass, kamen wir nach 40 Minuten an. Ich hatte vorher im Internet richtige Horrorgeschichten über diese Grenze gelesen. Aber wie sich herausstellte, war alles halb so schlimm. Mein Rucksack wurde nur kurz gescannt und ich wurde nicht einmal abgetastet.
In Chile angekommen tauschte ich lange Hose und feste Schuhe gegen Shorts und Flip-Flops, es wurde wärmer. Ich buchte ein Ticket nach Iquique und kam so in den Genuss weiterer 3 Filme, die während der 5-stündigen Fahrt gezeigt wurden.
Iquique gefiel mir von Anfang an. Wir fuhren mit dem Bus die riesigen Sanddünen herunter, während wir einen tollen Ausblick auf die Stadt und den Pazifik hatten. Von der Haltestelle aus fuhr ich mit einem Taxi zum „Backpackers“, einem Jugendhostel. Am Abend machte ich nicht mehr viel. Ich kaufte ein paar Sachen im Supermarkt, ging an der Promenade spazieren und unterhielt mich ein wenig mit den Leuten von meinem Zimmer. Mit mir auf meinem Zimmer wohnten eine Schweizerin und 3 Israelis, alles total interessante und nette Menschen. Die Schweizerin war 33 und hatte ihr ganzes Leben lang Geld beiseitegelegt, um irgendwann einmal nach Südamerika zu kommen. Sie wohnte seit eineinhalb Jahren bei Verwandten in Santiago und machte gerade Urlaub in Iquique. Die Israelis, 2 Männer und eine Frau, kamen alle frisch aus ihrer zwei- bzw. dreijährigen Armeezeit (was nicht wie bei uns Grundausbildung heißt, sondern Krieg). Jetzt machten sie einen „After-Army-Trip“, wie sie selbst sagten, und reisten für ein halbes Jahr mit dem Rucksack durch Südamerika (=Backpacker). Außer mir war noch eine andere Deutsche im Hostel, die als Freiwillige in Chile arbeite. Außerdem vertreten waren (alles Backpacker, falls nicht anders erwähnt): Eine Nordamerikanerin und ein Australier, die vor ein paar Monaten in Mexiko gestartet waren und uns insgesamt ein halbes Jahr in Südamerika reisten, ein Ehepaar aus der Schweiz, zwei junge Frauen aus der Schweiz, die ihr Studium gerade abgeschlossen hatten (eine von ihnen hatte ein Bewerbungsgespräch über Skype), zwei Franzosen, die in Südchile als Köche arbeiten und gerade Urlaub machten, eine Französin, die auch gerade mit dem Studium fertig war und ein paar Argentinier. Also eine große Mischung an Leuten, die viel fragten und viel von sich erzählten.
An meinem ersten Morgen in Iquique ging ich Gleitschirm fliegen. Wie ich später erfuhr, gehört Iquique zu den 10 besten Gleitschirmfluggebieten der Welt, da es hier immer gutes Wetter und fast keine Vorschriften gibt. Im Gegensatz zu Deutschland kann man über die ganze Stadt fliegen und landen, wo man will (auch auf der Hauptstraße). Nach einer kurzen Einweisung von meinem Guide Raul koppelten wir uns an den Tandemgleitschirm, liefen auf eine Klippe zu und wurden vom Wind in die Luft gehoben. Nach einer halben Stunde landeten wir am Strand direkt vor meinem Hostel. Nachmittags ging ich in der Stadt rum, später ging ich in ein riesiges steuerfreies Einkaufszentrum. Abends kochte ich mit den Israelis Shakshukka, sehr lecker. Am nächsten Tag waren wir viel am Strand und abends gab es ein Barbecue im Hostel. Nachts um drei nahm ich wieder einen Bus zur peruanischen Grenze, überquerte diese ohne große Schwierigkeiten, und fuhr weiter nach Arequipa.
Arequipa wird, wie gesagt, auch die „weiße Stadt“ genannt. Hier übernachtete ich in einem Hostel, das mir die Israelis empfohlen hatten. Dort traf ich zufällig auch einen Freund von ihnen. Am nächsten Tag schaute ich mir die Stadt an. Es gab eine Unmenge an Kirchen und Klöstern. Mein Highlight war „Santa Catalina“. Das ist ein Kloster, das aus Vulkangestein gebaut worden ist. Es ist zwar nur einstöckig, aber trotzdem sehr groß. Es sieht fast wie ein kleines Dorf aus (es gibt sogar Straßen mit Namen). Abends fuhr ich mit einem Bus los nach Lima.
Mein erster Urlaub hat mir richtig gut gefallen. Viel gesehen (unter anderem insgesamt etwa 20 Filme), viele Leute kennen gelernt. Ich hab auch mehr Lust auf Rucksackreisen bekommen und mehr darüber gelernt (Preise von Hostels, wie man gute von schlechten unterscheidet und sich im Internet informieren kann, Reisebusse, usw.). Mein jetziges Visum ist wieder nur für 3 Monate. Wahrscheinlich fahre ich dann nach Ecuador. Ausserdem möchte ich noch die typische Perutour machen, inklusive Machu Pichu und dem Titicacasee.
Jan-Lütje oder Lüddi
wie im letzten Eintrag versprochen schreibe ich euch heute etwas über meine Fahrt nach Chile.
Mein letztes Visum lief am 7. November ab, deshalb habe ich einen Kurzurlaub in Iquique (Nordchile) gemacht und mir auf dem Rückweg Arequipa, die „weiße Stadt“, (Südperu) angeschaut. Am 6. November startete ich von Huacho aus. Mit „Cruz del Sur“, dem größten Busreiseunternehmen Perus, fuhr ich von Lima bis an die Grenze zu Chile. Die Fahrt dauerte 20 Stunden und es wurden 7-8 harte Actionfilme gezeigt. Die Grenze überquerte ich anschließend in einem alten Collectivo-Bus, der voll besetzt war. Collectivo heißt, dass die Busse bzw. Taxis an der Bushaltestelle warten und losfahren, wenn sie voll sind (=Sammeltaxi). Ein wenig mulmig wurde mir, als der Busbesitzer während der Fahrt rumging und sämtliche Ausweise und Reisepässe der Passagiere einsammelte. Ohne Filme, dafür aber glücklicherweise wieder mit Reisepass, kamen wir nach 40 Minuten an. Ich hatte vorher im Internet richtige Horrorgeschichten über diese Grenze gelesen. Aber wie sich herausstellte, war alles halb so schlimm. Mein Rucksack wurde nur kurz gescannt und ich wurde nicht einmal abgetastet.
In Chile angekommen tauschte ich lange Hose und feste Schuhe gegen Shorts und Flip-Flops, es wurde wärmer. Ich buchte ein Ticket nach Iquique und kam so in den Genuss weiterer 3 Filme, die während der 5-stündigen Fahrt gezeigt wurden.
Iquique gefiel mir von Anfang an. Wir fuhren mit dem Bus die riesigen Sanddünen herunter, während wir einen tollen Ausblick auf die Stadt und den Pazifik hatten. Von der Haltestelle aus fuhr ich mit einem Taxi zum „Backpackers“, einem Jugendhostel. Am Abend machte ich nicht mehr viel. Ich kaufte ein paar Sachen im Supermarkt, ging an der Promenade spazieren und unterhielt mich ein wenig mit den Leuten von meinem Zimmer. Mit mir auf meinem Zimmer wohnten eine Schweizerin und 3 Israelis, alles total interessante und nette Menschen. Die Schweizerin war 33 und hatte ihr ganzes Leben lang Geld beiseitegelegt, um irgendwann einmal nach Südamerika zu kommen. Sie wohnte seit eineinhalb Jahren bei Verwandten in Santiago und machte gerade Urlaub in Iquique. Die Israelis, 2 Männer und eine Frau, kamen alle frisch aus ihrer zwei- bzw. dreijährigen Armeezeit (was nicht wie bei uns Grundausbildung heißt, sondern Krieg). Jetzt machten sie einen „After-Army-Trip“, wie sie selbst sagten, und reisten für ein halbes Jahr mit dem Rucksack durch Südamerika (=Backpacker). Außer mir war noch eine andere Deutsche im Hostel, die als Freiwillige in Chile arbeite. Außerdem vertreten waren (alles Backpacker, falls nicht anders erwähnt): Eine Nordamerikanerin und ein Australier, die vor ein paar Monaten in Mexiko gestartet waren und uns insgesamt ein halbes Jahr in Südamerika reisten, ein Ehepaar aus der Schweiz, zwei junge Frauen aus der Schweiz, die ihr Studium gerade abgeschlossen hatten (eine von ihnen hatte ein Bewerbungsgespräch über Skype), zwei Franzosen, die in Südchile als Köche arbeiten und gerade Urlaub machten, eine Französin, die auch gerade mit dem Studium fertig war und ein paar Argentinier. Also eine große Mischung an Leuten, die viel fragten und viel von sich erzählten.
An meinem ersten Morgen in Iquique ging ich Gleitschirm fliegen. Wie ich später erfuhr, gehört Iquique zu den 10 besten Gleitschirmfluggebieten der Welt, da es hier immer gutes Wetter und fast keine Vorschriften gibt. Im Gegensatz zu Deutschland kann man über die ganze Stadt fliegen und landen, wo man will (auch auf der Hauptstraße). Nach einer kurzen Einweisung von meinem Guide Raul koppelten wir uns an den Tandemgleitschirm, liefen auf eine Klippe zu und wurden vom Wind in die Luft gehoben. Nach einer halben Stunde landeten wir am Strand direkt vor meinem Hostel. Nachmittags ging ich in der Stadt rum, später ging ich in ein riesiges steuerfreies Einkaufszentrum. Abends kochte ich mit den Israelis Shakshukka, sehr lecker. Am nächsten Tag waren wir viel am Strand und abends gab es ein Barbecue im Hostel. Nachts um drei nahm ich wieder einen Bus zur peruanischen Grenze, überquerte diese ohne große Schwierigkeiten, und fuhr weiter nach Arequipa.
Arequipa wird, wie gesagt, auch die „weiße Stadt“ genannt. Hier übernachtete ich in einem Hostel, das mir die Israelis empfohlen hatten. Dort traf ich zufällig auch einen Freund von ihnen. Am nächsten Tag schaute ich mir die Stadt an. Es gab eine Unmenge an Kirchen und Klöstern. Mein Highlight war „Santa Catalina“. Das ist ein Kloster, das aus Vulkangestein gebaut worden ist. Es ist zwar nur einstöckig, aber trotzdem sehr groß. Es sieht fast wie ein kleines Dorf aus (es gibt sogar Straßen mit Namen). Abends fuhr ich mit einem Bus los nach Lima.
Mein erster Urlaub hat mir richtig gut gefallen. Viel gesehen (unter anderem insgesamt etwa 20 Filme), viele Leute kennen gelernt. Ich hab auch mehr Lust auf Rucksackreisen bekommen und mehr darüber gelernt (Preise von Hostels, wie man gute von schlechten unterscheidet und sich im Internet informieren kann, Reisebusse, usw.). Mein jetziges Visum ist wieder nur für 3 Monate. Wahrscheinlich fahre ich dann nach Ecuador. Ausserdem möchte ich noch die typische Perutour machen, inklusive Machu Pichu und dem Titicacasee.
Jan-Lütje oder Lüddi
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